Bang & Olufsen hat seinen weltweiten Durchbruch einer Kolumne des dänischen Designer Poul Henningsen zu verdanken. Im Jahre 1954 bekam der TV- und Radiohersteller die Gelegenheit, seine neuen Produkte auf der Jahresausstellung der dänischen Schreinerinnung zu präsentieren. Damals wurden Radio- und Fernsehgeräte noch mit Holzgehäusen angeboten. Die Firma Bang & Olufsen ahnte zu dieser Zeit noch nicht, dass der Gesellschafts- und Designkritiker Poul Henningsen (1894-1967) die Produkte bewertete und das Design der Radiogehäuse in einer Kolumne der Zeitschrift „Snedkermesteren“ verriss. Das Design empörte Poul Henningsen so sehr, dass seine Kritik auch ab und an unter die Gürtellinie ging.
Ein Ausschnitt aus der Kolumne:
„Ausladend und dickbäuchig, mit Schnörkeln, Krümmungen und Firlefanz, oftmals aus den verrücktesten Holzsorten zusammengesetzt und mit Kunststoff und Messing behangen; es dreht sich einem der Magen um, soviel Talentlosigkeit an einem Ort zu sehen. Die traditionelle Plumsklotür in ihrer stupidesten Form hat hier offensichtlich als Inspirationsquelle für die Gitter vor fast allen Lautsprecheröffnungen gedient. Ungeheuerlich! … Für Menschen, die moderne Möbel schätzen, ist es schlichtweg eine Beleidigung, dass sie dazu gezwungen sind, diese Monstren zu kaufen, um in den Genuss des großen Kulturguts zu kommen, den der Rundfunk darstellt. Sind es Fischverkäufer oder Kartoffelgroßhändler, die diese Dinger in ihrer Freizeit entwerfen? Denn Designer können es nicht sein.“
Helge Frank Morthensen gewann Design-Wettbewerb
Heute würden Hersteller von elektronischen Geräten den Autor auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in Millionenhöhe verklagen, anders Bang & Olufsen. Es wurde ein Design-Wettbewerb ausgeschrieben, den der dänische Designer Helge Frank Morthensen gewann. Anschließend startete die Marke Bang & Olufsen 1958 senkrecht durch und präsentierte ein revolutionäres Design-Radio mit dem Namen „Modell Mini Moderne 514K“. Ein beispielloser Aufstieg der Marke B&O begann.
Es bleibt zu hoffen, dass die Kolumne in der Firmenzentrale immer noch vorhanden ist und gelegentlich gelesen wird, denn einige Entwürfe der neueren B&O – Designreihe würden Poul Henningsen sicher wieder zur Empörung bringen.
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